Informationen & Berichte 2022

Heimatverein und Gemeinde stellen Buch über das Schicksal von Louis Pins vor.

Als es immer schlimmer wird, will Louis Pins nur noch weg. „Sie müssen machen, dass ich wegkomme!“, bestürmt der Dülmener Viehhändler im Frühjahr 1939 den korrupten Konsulatskanzler Bockholdt im uruguayischen Generalkonsulat in Hamburg. Damit dieser ihm endlich die Ausreisedokumente nach Südamerika für sich und seine Familie besorgt. Kurze Zeit später ist Pins tot.
Im Jahr 2020 wurde der Keller der Familie Pins am Fuße der Kirche St. Viktor bei Grabungen entdeckt. „Es ist ein Keller wie jeder andere, archäologisch völlig uninteressant. Doch die Geschichte der Familie dahinter hat es in sich“, sagt Dr. Dieter Potente, Historiker und 16 Jahre lang Schulleiter an der Erich-Kästner-Schule in Buldern und der Johann-Gutenberg-Schule in Dülmen. Über das Schicksal des Dülmener Juden Louis Pins, das über Fluchtversuch, Verhaftung und Verhör bis in den Tod führte, gibt der Heimatverein Dülmen im Auftrag der Pfarrgemeinde St. Viktor nun ein Buch heraus.
„Bei manchen geschichtswissenschaftlichen Aufsätzen will ich schon nach der dritten Seite das erste Nickerchen einlegen. Doch dieses Buch ist anders“, sagt Potente. Die drögen, im Wortlaut stenografierten Akten wurden anschaulich illustriert und alle relevanten Dülmener Persönlichkeiten in Info-Kästen erläutert.

„Das Einzelschicksal des Dülmeners Pins macht die Schikane und unglaubliche Verzweiflung der Juden während der NS-Diktatur fassbar.“
Dr. Dieter Potente
Zudem erlaubten abgelaufene Sperrfristen, das Internet sowie Kontakte zu Pins‘ Nachfahren in Uruguay und Israel neue Erkenntnisse. „Wir haben heute Infos, von denen nicht mal Frau und Tochter von Pins wussten“, erläutert Pfarrdechant Markus Trautmann.
„Das Einzelschicksal des Dülmeners Pins macht die Schikane und unglaubliche Verzweiflung der Juden während der NS-Diktatur fassbar. Geschichte ist keine Frage der Schule, sondern ein Thema für alle“, betont Potente. Das Buch basiert auf den Recherchen von Christiane Daldrup im Staatsarchiv Hamburg, deren eher zufälliger Aktenfund 450 Seiten umfasst. „Die Akten zeigen, wie Menschen wie Bockholdt die Not der Juden schamlos ausgenutzt und sich an der Panik der auswanderungswilligen Menschen bereichert haben“, berichtet Pfarrer Trautmann.
Pins stirbt schließlich in der Haft, seine Todesumstände sind bis heute ungeklärt. Seine Familie erfährt als Todesursache „Herzversagen“, die Sterbeurkunde bezeugt „Selbstmord durch Erhängen“. „Das alles kann jedoch auch erfunden sein. Das Gestapo-Gefängnis Fuhlsbüttel war extrem brutal, dort wurden Leute auch zu Tode geprügelt“, so Pfarrer Trautmann. Es ergebe sich ein Bild, jedoch kein geschlossenes.
Das jetzt erschienene Buch mit dem Titel „Sie müssen machen, dass ich wegkomme!“ ist dank der Förderung durch die NRW-Stiftung im Dülmener Buchhandel in einer Auflage von 800 Exemplaren für fünf Euro zu erwerben. Auf die Kellerruine der Familie Pins an der St.-Viktor-Kirche wird noch in diesem Jahr ein 2,50 Meter hoher gläserner Tetraeder als Denkmal gesetzt.

 

Bericht und Foto der Dülmener Zeitung, Leonard Fischer
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Krankenhausseelsorgerin Christel Seibert geht in den Ruhestand. 

„In den letzten fünf Jahren als Krankenhausseelsorgerin schlug mir so viel Vertrauen und Dankbarkeit entgegen, wie ich vielleicht in all den Jahren zuvor nicht erlebt habe.“ Mit diesen Worten blickte Christel Seibert am Dienstagvormittag zurück auf ihre Zeit am Dülmener Standort der Christophorus-Kliniken. Seit 1. September 2017 war die Pastoralreferentin hier tätig, nun wurde sie in den Ruhestand verabschiedet - und nutzte die Gelegenheit, sich bei Weggefährten und Angehörigen zu bedanken. Sie sei dankbar über so viele gute Begegnungen, so Seibert.

Begonnen hatt die Verabschiedung mit einem Wortgottesdienst in der Krankenhauskapelle, (in Anwesenheit vieler Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Angehörigen). „Du gehst umsichtig und offen mit den Menschen um. Und du hast das Vertrauen in die Menschen nie verloren, hast dir das Vertrauen in das Leben bewahrt, obwohl - oder vielleicht, weil - du in deinem persönlichen Leben manchen Herausforderungen begegnet bist“, würdigte Pfarrdechant Markus Trautmann die Scheidende in seiner Predigt.

Er erinnerte auch an die Belastungen, die ab Frühjahr 2020 mit der Corona-Pandemie kamen. All die notwendigen Einschränkungen im Krankenhaus hätten die Arbeit der Seelsorgerin nicht gerade einfacher gemacht. „Aber letztlich wundert es nicht, dass gerade in dieser Situation eine Patientin Dir das Kompliment machte: Wer bringt denn jetzt die Freude, wenn Sie gehen?“, sagte Trautmann. Seiberts besondere Stärken seien stets die ruhigen und nachdenklichen Töne, das behutsame und aufmerksame Zuhören gewesen. Der Pfarrdechant erinnerte zudem daran, wie Christel Seibert selbst einmal im DZ-Interview die Krankenhauskapelle beschrieben habe: „Für mich ist sie ein Ort der Geborgenheit, wo Menschen ein Stückchen zur Ruhe kommen können. Ich glaube, alle brauchen manchmal die Chance dazu“, hatte die Seelsorgerin damals gesagt.

Dr. Jan Deitmer von der Geschäftsführung der Kliniken erinnerte daran, dass am Beginn der Krankenhäuser in Nottuln, Coesfeld und Dülmen im 19. Jahrhundert die Initiative von Geistlichen und Kirchengemeinden stand. In den 40 Dienstjahren von Seibert habe sich die medizinische Versorgung und Technologie unglaublich gewandelt. Aber die Kapelle sei immer noch ein Ort, den auch heute die Krankenhausleitung ganz bewusst pflege und den Patienten und Angehörigen zur Verfügung stelle. Auch die Förderung der Krankenhausseelsorge sei ein Bekenntnis zu den christlichen Wurzeln und Werten, so Deitmer.

Bericht der Dülmener Zeitung / Foto: Christian Rensing

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Heinz Walgenbach

Straßenschild ehrt Heinz Walgenbach.

Seit dem Fronleichnamstag (16.6.) gibt es in Dülmen einen neuen Straßennamen – zumindest auf einem entsprechenden Schild unweit der Kirche St. Joseph. Anlässlich der Verabschiedung von Kirchenmusiker Heinz Walgenbach in den Ruhestand heißt der Fußweg entlang der südlichen Außenwand der Josephskirche (zwischen Pfarrheim und Jugendheim) fortan „Heinz-Walgenbach-Weg“. Der 90jährige Walgenbach, der 1963 in den Dienst von St. Joseph trat, nahm im Beisein einiger Familienangehöriger die Enthüllung persönlich vor. Er blicke mit Dankbarkeit auf sein langjähriges Wirken zurück, betonte er in einer kurzen Ansprache. „Möge St. Joseph weiterhin eine lebendige Gemeinde sein und die Kirchenmusik hierbei einen Akzent setzen“, so sein Wunsch an die Gäste und Gottesdienstbesucher.

Die Viktorkirche  neu entdecken und anders sehen.

Am letzten Freitag startete als Premiere im Rahmen des bundesweiten Monats für Sehbehinderte eine besondere Kirchenerkundung durch die Viktorkirche . 

Eine interessierte zehnköpfige gemischte Gruppe von Dülmenerinnen und Dülmenern mit und ohne Sehbehinderung erkundeten mit großem Interesse und allen Sinnen die Viktorkirche, die Orgelbühne und die Sakristei. 

Beeindruckend war es, wie die Teilnehmenden mit großer Seheinschrnänkung alle durch Fühlen und Tasten Skulpturen mit ihren Abbildungen erkennen und Materialien von Kelchen und Gewändern treffsicher bestimmen konnten.

Christoph Falley stellte die Orgel mit ihrer Vielfalt an Klängen und Pfeifen eindrucksvoll näher.  

Mit Simulationsbrillen konnten die Teilnehmenden ohne Seheinschränkung selbst einmal erproben, wie es sich anfühlt, sich mit einer Sehbehinderung im Kirchenraum tastend zu orientieren. 

Am Ende waren sich alle in ihrem Wunsch einig, zu einer Fortsetzung dieser Kirchenerkundung bei den vielen Schätzen, die die Viktorkirche beherbergt, im Herbst einzuladen. 

Am 1. Juni hat Johanna Krafczyk ihren Dienst als neue Krankenhausseelsorgerin in Dülmen aufgenommen. – Johanna Krafczyk wurde 1977 in Beuthen in Oberschlesien geboren und kam mit ihrer Familie 1989 in die Bundesrepublik. Nach dem Abitur in Werl absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Schon bald rückte der Beruf einer Krankenhausseelsorgerin in ihr Blickfeld, als sie in Hamm eine Ordensschwester kennenlernte, die in diesem pastoralen Bereich wirkte. Sie ließ sich zur Pastoralreferentin ausbilden und erhielt 2019 die Beauftragung durch den Bischof von Münster. Zuletzt wirkte Johanna Krafczyk in der Krankenhausseelsorge in Vreden.

Foto: Christian Rensing

Aufgrund der sich abzeichnenden langfristigen Personalsituation in unserer Pfarrei (Priester, Küsterinnen, Musiker) sollen künftig Doppelungen bei Gottesdienstterminen nach Möglichkeit vermieden werden. Daher gilt ab Pfingsten die folgende Regelung: Am Donnerstagmorgen um 8.30 Uhr ist die Eucharistiefeier nur noch (wie bisher) in St. Mauritius, nicht mehr in St. Viktor. Ebenso wird es künftig an jedem 1. Montag im Monat die Morgenmesse nur noch als „Frauenmesse“ um 9.00 Uhr in St. Joseph geben, nicht mehr um 8.30 Uhr in St. Viktor.

Mit dem Pfingstfest endet die Osterzeit. Es beginnt die sog. Zeit im Jahreskreis, die erst wieder im Advent und dann noch einmal durch die Fastenzeit unterbrochen wird.

Sichtbar ist dies in unseren Kirchen dadurch, dass die Osterkerze außerhalb der Osterzeit nicht mehr im Altarraum steht, sondern ihren Platz am Taufbecken hat. Zu Taufen und Beerdigungsgottesdiensten wird sie als Zeichen der Verbindung mit dem Osterereignis angezündet. Ansonsten darf die Osterkerze außerhalb der Osterzeit nicht brennen. So wird die Bedeutung dieser 50 Tage besonders herausgestellt.

Ortsvorsteherin Gabriele Sondermann und Pfarrer Heio Weishaupt freuen sich über das schöne und gelungene Ergebnis der Restaurationsarbeiten am Kreuz an der Halterner Straße in Hausdülmen.
Das Kreuz wurde 1861 als Missionskreuz in Hausdülmen eingeweiht und stand bis zum Umbau der Bundesstraße im Jahr 1971 auf dem Dorplatz. Dann folgte der Umzug an den jetzigen Standort. Witterunseinflüsse haben im Laufe der Jahre dem Sandstein stark zugesetzt - aber die heftigste und bitterste Zerstörung erlitt der Korpus im Jahr 2016 durch Kreuzschändung. Das Gesicht wurde dabei komplett zertrümmert (s. Foto links) und wurde nun bei der Restaurierung durch die Firma Wennemer aus Münster nachkonstruiert.
Ortsvorsteherin Gabriele Sondermann hat sich dafür eingesetzt, dass die Restaurierung des Kreuzes, welches sich im Besitz der Stadt befindet, in Auftrag gegeben wird. Finanziert wurde die Aufarbeitung aus dem Ortsteil-Budget. "Oftmals bin ich von den Bürgerinnen und Bürgern auf den schlechten Zustand des Kreuzes angesprochen worden", so Sondermann. "Für die Hausdülmener war es ein großes und wichtiges Anliegen, das Kreuz zu erhalten."
Pfarrer Weishaupt ist der Meinung, dass das Kreuz insbesondere in den aktuellen Krisen wie die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und auch die wirtschaftliche Situation ein Ort sein kann, der Hoffnung gibt. "Gott ist ein Gott, der ins Leid der Menschen hineingegangen ist und somit in Krisensituationen Hoffnung und Halt geben kann."

Das Wort von Dechant Drachter aus dem Jahr 1648, das am Sockel des Kreuzes angebracht ist, hat an Aktualität in seiner Bedeutung nicht verloren.

„Laß sausen, laß brausen,
die listige Welt.
Auf‘s Kreuz nur
sei dein Hoffen gestellt.“

Am Samstag vor Pfingsten, 4. Juni, wird das Kreuz im Rahmen des Vorabendgottesdienstes um 17.40 Uhr gesegnet. Herzliche Einladung an alle Hausdülmener, sich vor dem Gottesdienst am Kreuz zu treffen.

 

 

Einweihung Bücherei

Neuer Standort der Bücherei Rorup eingeweiht.

Gleichsam wie die Sonne vom blauen Himmel, so strahlten auch das Büchereiteam und zahlreiche Roruper bei der Einweihung der neuen Bücherei St. Agatha. Nach der Messe, zelebriert von Pfarrer Heio Weißhaupt, zog die Gemeinde samt Fahnenträgern zum neuen Standort der Bücherei, im früheren Ladenlokal Balster.

Hier fand Weißhaupt lobende Worte zum Umzug an die Ecke Hauptstraße/Kirchplatz. „Es ist gut zu wissen, dass es Zellen gibt, wo Wissen vermittelt wird, und Unterhaltung und Begegnung möglich sind“, betonte er. „Das Engagement aller hier wird sehr wahrgenommen, und durch die gute Gestaltung der neuen Bücherei hat es auch einen guten Werbeeffekt.“ Über das Lob des Pfarrers bei der Einsegnung der Bücherei freute sich das Büchereiteam sehr. „Das fand ich richtig klasse, es tut so gut und motiviert einfach sehr zum Weitermachen“, sagte Anne Schulte.

Das Team hatte für die Einweihung ein buntes Rahmenprogramm zusammengestellt, besonders für die Kleinen. Ein Luftballonkünstler verzauberte die Kinder mit seinem Können, ein Bilderbuchkino fand in der Kirche statt, und auch eine Schminkaktion gab es. Zudem war Steinmetzmeisterin Sabine Feldmann mit ihrem Lehr- und Bildhauerwagen „Paula“ mit von der Partie. Für das leibliche Wohl war ebenfalls bestens gesorgt. Waffeln, Würstchen vom Grill und ein kühles Getränk waren im Angebot. „Die haben sich hier heute aber richtig Mühe gemacht, und es sind so viele Ehrenamtliche, die sich hier engagieren“, lobte etwa eine Besucherin begeistert.

 

Bericht und Fotos der Dülmener Zeitung, Siegrid Muddemann

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Schüler befassen sich mit von Galen. 

Einen ganzen Vormittag beschäftigten sich am Mittwoch die Kinder des vierten Jahrgangs der Merfelder Kardinal-von-Galen-Schule mit ihrem Schulpatron. Gemeinsam mit Pfarrer Markus Trautmann und Religionslehrerin Simone Flissikowski betrachteten sie zahlreiche Fotos aus dem Leben des berühmten Bischofs und tauschten sich über seine Bedeutung während der NS-Zeit aus.
Anschließend stand eine Exkursion zur nahgelegenen St.-Antoniuskirche auf dem Programm; zuvor wurden im Außenbereich des Pfarrheims die großformatigen Galen-Infotafeln in Augenschein genommen. Sie erinnern auch an Galens zahlreiche Aufenthalte in Merfeld, wo auch sein Bruder Franz von Galen lebte. In der Kirche betrachteten die Kinder eine historische Gedenktafel und andere Erinnerungen an den „Löwen von Münster“, heißt es in einer Mitteilung.
Zum Schluss schallte ein O-Ton Galens durch den Kirchenraum, ein Mitschnitt seiner Ansprache auf dem Domplatz in Münster im März 1946. Als Souvenir erhielt jedes Kind eine kleine Galen-Medaille sowie einen originalen Ersttagsbrief zur 100-Pfennig-Briefmarke, die anlässlich des 50. Todestages Galens 1996 erschienen war.

 

Bericht und Fotos der Dülmener Zeitung

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